#01 Achterbahn trifft Windstille: Change-Kurve

DAS BRINGT`S

“Große Veränderungen wie die der letzten Monate nehmen alle Beteiligten mit auf eine wilde Achterbahnfahrt.”

Klingt plausibel, aber dieser Satz beruht auf ein paar Annahmen:

  1. Die letzten Monate waren eine große Veränderung. Wie einschneidend Menschen Veränderungen erleben, unterscheidet sich mitunter deutlich.
  2. Es war eine wilde Achterbahnfahrt… Die Ausprägung der individuellen Höhen und Tiefen dürfte ebenfalls von Person zu Person variieren.
  3. … für alle Beteiligten. Nicht jede*r fühlt sich in den für sie*ihn relevanten Aspekten überhaupt betroffen.

Es kann also sein, dass deine Teammitglieder mit ganz unterschiedlichen Stories, Emotionen und Lernerfahrungen zurück ins Büro kommen. Bitte gehe als Führungskraft nicht davon aus, dass alle sich auf demselben Niveau der (Un-) Zufriedenheit befinden wie du oder Einzelpersonen, mit denen du gesprochen hast. Doch gerade diese Unterschiedlichkeit birgt für euch als Team enormes Potential: Entdeckt, was euch für die Zusammenarbeit unter neuen Vorzeichen nützlich sein wird! Ein tolles Tool dafür ist die Change-Kurve.

SO GEHT´S

Jedes Teammitglied erhält ein Blatt Papier im Querformat (ideal ist A3 oder größer) und Moderationsmarker (solltet Ihr noch nicht alle wieder vor Ort sein, tut’s auch das Online-Whiteboard oder ein A4-Blatt, das Ihr vor die Kamera haltet). 

Du führst in die Aufgabe ein: “Zeichnet bitte aus eurer Sicht auf einer Zeitachse den Verlauf der vergangenen Monate auf. Wo gab es Höhen, wo Tiefen? Wie stark waren diese? Bitte notiert zu den stärkeren Ausschlägen kurz, was genau da passiert ist.”

Wähle die passende Perspektive für die Aufgabe: Jede der drei folgenden Sichtweisen liefert ein anderes – jedoch immer interessantes – Ergebnis.

  • “Wir über uns”: Das Team erstellt gemeinsam eine Change-Kurve, die die kollektiven Höhen und Tiefen der vergangenen Monate auf Team-Ebene abbildet.

Vorteil: Hier ist das Erstellen bereits ein interaktiver, diskussionsintensiver Prozess.

  • “Ich über uns”: Die einzelnen Teammitglieder entwerfen ihre Version der Team-Kurve – so, wie sie es erlebt haben. Danach werden die Kurven verglichen und falls nötig diskutiert.

Vorteil: Verschiedene Sichtweisen werden hier besser sichtbar und können nebeneinander stehen.

  • “Ich über mich”: Jede*r gestaltet die eigene, persönliche Change-Kurve. Hier können auch andere als rein berufliche Aspekte abgebildet werden, z.B. Belastung durch Home Schooling oder Freude über schöne Erlebnisse. Im Nachgang werden die Kurven gezeigt, aber nicht diskutiert.
    Vorteil: Du bietest noch mehr Möglichkeit, auf persönlicher Ebene anzudocken.

DARAUF SOLLTEST DU ACHTEN

Bitte bewerte die Kurven der Anderen nicht anhand deiner Erfahrungen, und bitte bewerte deine Kurve nicht anhand derer der Anderen. Kein Erleben ist “richtig” oder “falsch”, sondern es geht eben genau darum, respektvoll unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. 

Stelle dich darauf ein, dass die Vorstellung einzelner Kurven ziemlich emotional sein kann. Das ist OK. Als Team könnt Ihr gut damit umgehen.

… und das ist nur der Anfang: Die Rückkehr an den Arbeitsplatz bzw. die Gewöhnung an das oft beschriebene “New Normal” stellen euch gleich vor die nächste Herausforderung. Das kannst du dir in etwa so vorstellen, als ob du einige Zeit im Ausland verbracht hättest und jetzt nach Hause zurück kämst. Sowohl du als auch dein altes Umfeld haben sich verändert – und es ist nicht mehr wie vorher, obwohl es so aussieht. Das nennt man den “Re-Entry Shock”. Eine tolle Hausaufgabe für dich und dein Team kann sein, die Kurve fortzuzeichnen: Wo erwarten wir in der nächsten Zeit Ausschläge nach oben oder unten? Warum? Was nehmen wir uns vor, um damit umzugehen? Tauscht Euch in einer Follow-Up Session dazu aus!

📱Klicke hier um Hacks, Reflexionsfragen und weitere Impulse direkt per App zu erhalten.